08-05-18

Interview mit Rade Petrasevic

Einige deiner Arbeiten werden derzeit in der Ausstellung „jetzt für immer“ in der B.LA Art Foundation gezeigt. Wie bist du an die Ausstellungseinladung herangegangen und welche Arbeiten präsentierst du? Sind es speziell für die Ausstellung angefertigte Arbeiten?

Ja, alle Arbeiten sind speziell für die Ausstellung gemacht worden. es handelt sich um eine Serie von sich wiederholenden Stillleben. Es ist sozusagen immer die gleiche Situation zu sehen: Tische mit Gegenständen darauf. Das Interessante für mich daran war, in der Masse zu sehen, wie sich die Intensität der Bilder mit der Komposition verändert. Farblich sind sie ja relativ reduziert, meistens bloß drei oder vier Farben. Das Interessante für mich daran war, in der Masse zu sehen, wie sich die Intensität der Bilder mit der Komposition verändert. Farblich sind sie ja relativ reduziert, meistens bloss drei oder vier Farben.

Erzähl uns doch bitte mehr über die Serie? Einige Objekte tauchen wiederholt auf. Deine Arbeiten zeigen stets Innenräume, Objekte wie Vasen, Äpfel, Cola-Flaschen stehen auf Tischen, Magazine, Pflanzen etc. - sind es imaginäre Innenräume die du abbildest oder reale, ausgewählte Räume?

Bei der Ausstellung lag mein Fokus auf das schon erwähnte Stillleben und den Versuch dieses Thema auf eine gewisse Art auszureizen. Manche Bilder unterscheiden sich nur marginal voneinander. Mit realen Räumen arbeite ich nicht, da mich der abgebildete Raum eher weniger interessiert. Das Spannende ist für mich ein so beladenes Genre soweit wie möglich auszureizen. Da spielen die gezeigten Objekte nur eine zweitrangige Rolle. Es geht mir um die Wiederholung der Wiederholung. Statt Apfel, Vase und Colaflasche kann man aber jedes x-beliebige Objekt nehmen.

Arbeitest du direkt auf der Leinwand oder erstellst du vorab Zeichnungen/Skizzen?

In meiner Malerei gehts sehr stark um das Thema Zeichnung. Da wird die Zeichnung nicht mehr getrennt von der Malerei betrachtet, sondern die Malerei wird am Ende fast mit der zeichnerischen Geste leicht verwechselt bzw. mündet dann wieder in der Zeichnung.

Zum Paravent den du für die Ausstellung gemacht hast: Kann man den Paravent als Weiterentwicklung deiner Wand-Arbeiten verstehen? Wann hast du angefangen, dreidimensionale Objekte zu machen? Kann man diese als “expanded painting’ verstehen? Oder siehst du sie mehr als Skulptur oder Objekte? Und spielen solche Bezeichnungen eine Rolle für dich?

Weiterentwicklung meiner Wandarbeiten wäre vielleicht zu viel gesagt. Im Grunde genommen sind es erweiterte Stillleben. Also hier wird sozusagen ein Möbelstück nachgeahmt bzw. in ein objekthaftes Bild transformiert. In dem Kontext könnte man behaupten, dass das Subjekt zum Objekt gemacht wird und die Geste um eine Ebene erweitert wird. Malerei ist inzwischen ein sehr dehnbarer Begriff geworden, in dessen Rahmen ich mich immer zu bewegen versuche. Demnach sehe ich den Paravent weder als Skulptur noch als Objekt: es ist schlicht und einfach ein painting.

In deinen Arbeiten hat man das Gefühl das oftmals Szenen und Innenräume dargestellt sind, die etwas über die Bewohner_innen die man sich dazu denken kann, auszusagen scheinen: Ein Tisch mit Obst, Cola-Flaschen, aufgeschlagene Magazine. Je länger man die Bilder betrachtet umso mehr formt sich eine Geschichte zusammen... Inwiefern spielt das Nacherleben / Storytelling für dich eine Rolle?

Storytelling spielt hier absolut gar keine Rolle. Ein Tisch mit Äpfeln und Cola-flaschen sagt ja auch nicht wirklich etwas aus. Die Situation könnten in einer chicen Zahnarztpraxis in Manhattan als auch in einem heruntergekommenen Crackhaus in Belgrad stattfinden. es ist eine irrsinnig leicht lesbare information: Tisch + Apfel + Gegenstand = Stillleben.

Zu der Ausstellung ist eine limitierte Edition erschienen. 10 Zeichnungen, die bei dir eine Art Manifesto darstellen - wie bist du damit umgegangen? Edition no. 1 beginnt mit dem Wort Manifesto und Editon no. 10 endet mit diesen, auf den anderen Editionen sind Aepfel oder eine rauchende Person oder andere Figuren abgebildet. Was war deine Herangehensweise an die Editionen?

Bei der Edition geht es darum, der Zeichnung ein wenig ein collagen-haftes Element zu geben und trotzdem in der Begrifflichkeit der Zeichnung zu bleiben. Dass es mit dem Wort Manifesto beginnt und endet, hat mir eher der Zufall eingebrockt. Die Nummerierung war reine Willkür.

Nun zur letzten Frage: An welchen Projekt arbeitest du demnächst oder was ist dein nächstes Projekt?

Im Mai stehen zwei Gruppenausstellungen bevor: eine im Offspace der ADA (artistic dynamic association) in Wien und eine andere in Budapest die von Peter Bence kurartiert wird. Anfang Juni zeige ich auf Einladung von Roberto Ohrt Arbeiten im 8.Salon in Hamburg. Für den Sommer ist auch noch eine weitere Show angedacht, die allerdings noch in trockene Tücher gebracht werden muss und für den Herbst ist ein Buchprojekt geplant sowie die Publikation meiner Fanzines die bei “penis publishing” erscheinen.

Interview durchgeführt von Talina Bauer & Katharina Worf

 

zurück

©Conny Maier

©Andy Keate, Exhibition View Limoncello Gallery, London